Tschüss Norden, Ciao Süden!

“Ein letztes Mal winken und raus.” Der Entschluss war schon vor Monaten gefallen, als wir beim Notar saßen und einen Hof im Allgäu gekauft haben, aber jetzt wird es zum ersten Mal richtig real...

Wir verlassen die Hansestadt - unser Zuhause für viele Jahre. Der Regen prasselt, wie so oft, aber es ist nicht das Wetter, das uns bewogen hat zu gehen. Es ist ein Gefühl, das Gefühl dem Leben eine neue Wendung geben zu wollen. Raus aus der Stadt, rein in einen neuen Abschnitt mit mehr Ruhe, Besinnung und Naturverbundenheit. Ja, das sind alles Phrasen, von denen jeder gern fabuliert, abends nach zwei Gläsern Rotwein beim Italiener an der Ecke. “Man müsste mal…”, “irgendwann machen wir das…” und so weiter... Das Verwunderliche ist: Wir machen es gerade und so langsam wird es gewiss. Plötzlich in der leeren Wohnung zu stehen, die einen 10 intensive Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen zuverlässig beherbergt hat, ist schon irgendwie krass. Bevor die Tür zum letzten Mal ins Schloss fällt, hat der Englische Vermieter hat noch ein paar warme Worte parat. Die Möwen kreischen. Und dann dieser unaufhörlich prasselnde Regen an diesem 27. April 2018, der die Elbbrücken mit dem Grau des Himmels verschwimmen lässt. Was erwartet uns wohl? Schaffen wir das überhaupt? Oder ist alles nur ein Hirngespinst? Die Zweifel sind leise. Die Euphorie, es einfach zu machen, lauter. Auf ins neue Leben. Mit vielen schönen Geschichten und Freundschaften im Gepäck. Hamburg war gut zu uns und kann auch gar nichts dafür. Immer die A7 runter. Hinter Würzburg kommt die Sonne raus. Wir sagen Tschüss!

Die Wohnung leer, die Herzen aber voller Erinnerungen an Hamburg und seine Bewohner.

Und jetzt sind wir da, bereit unsere Story mit Euch zu teilen. An einem nicht weiter besonderen, stürmisch winterlichen Freitagabend im März beschließen wir, dass es nun endlich losgehen muss mit dem Blog. Der Abend gestaltete sich aufgrund eines erneuten Ausfalls unserer Heizung, sagen wir mal, schwierig. Letztlich gerettet haben uns zwei Seelenstreichler - der noch immer intakte, knisternde Wärme ausstrahlende alte Holzofen in der Küche und eine verstaubte Flasche Rotwein vom Weingut “Alles Verloren” aus dem sonnigen Südafrika (wo derzeit übrigens die meisten unserer Hamburger Freunde gerade abhängen). Dazu ein tröstlicher Eintopf und schnell wird klar: Gar nichts ist verloren, sondern sehr viel gewonnen. Irgendwie hat uns Rotwein schon ein paar Mal auf die Sprünge geholfen. Der Rotwein in der Toskana ist sogar so gut, dass wir auf die hirnrissige Idee kamen auf’s Land zu ziehen bzw. einen alten Bauernhof zu kaufen. Oh Vino Rosso, Danke für alles! Unser Hof heißt aber nicht nur wegen der Liebe zum Wein ROSSO. Das Schicksal hat uns einen rot angemalten Hof im Allgäu vor die Nase gestellt. Einfach so. Und ohne Lügen zu wollen, das hier ist Little Italy quasi direkt um die Ecke!

Am Tag der Abreise begegnete uns dieses Szenario beim Lieblings-Blumenladen im Karoviertel

Kurz zur Vorgeschichte: Die Idee kam uns in einem dieser magischen Italien-Urlaube und der Plan lautete zunächst dorthin auszuwandern. Wäre da nicht dieser Siena rote Hof im Allgäu gewesen, der alles verändert hat. Auch in uns. Wieso nicht einen Ort in Deutschland schaffen, der die Wärme und Herzlichkeit italienischer Großfamilien ausstrahlt? Ein Platz, an dem alles kann und nichts muss. Wir reden hier nicht vom Deutsche Vita, wir reden von der Leichtigkeit des Seins, die wir alle unterwegs irgendwo verloren haben. Ein Platz für Freunde und für alle, die es werden wollen. Zum Nichtstun oder zum Kreieren, zum Ernten und Essen, zum Lachen und Freuen. Alleine oder zusammen. Ein Ort, an den sich die Kinder später mit einem warmen Gefühl im Herz zurückerinnern. Wir nennen es “Insieme” - italienisch für Verbundenheit. Als Familie, als Paar, als Team und als Alleinreisender. Verbunden sein mit sich, mit Euch, mit der Natur. Willkommen im ROSSO, wir freuen uns auf alles, was hier bei uns passiert. Auf dem Hof der Möglichkeiten.


*Kettcar - An den Landungsbrücken raus, 2002


Weitere Geschichten von uns:

Hühner, Stallbau und der schlaue Fuchs

Wilma & the Chicks

Ein Leben auf der Baustelle

"Dreimal abgesägt und immer noch zu kurz."

Der erste Winter

Schnee, Schnee & noch mehr Schnee