Hühner, Stallbau und der schlaue Fuchs

Wilma & the Chicks

Als wir durch den einen Anruf von der Vor-Eigentümerin unseres Hofs davon erfuhren, dass wir mit dem Tag unserer Ankunft hier Babysitter von 4 Hennen und einem Hahn sein würden, waren wir schon etwas überrascht: “Äh ja, klar kannst Du sie erstmal hier lassen, ja wir kümmern uns, kriegen wir schon hin…” Aus dem Hierlassen wurde dann quasi unausgesprochen eine Patenschaft für immer. So nahm das Selbstversorger Leben gleich so richtig Fahrt auf und wir wachten in den ersten Tagen auf dem Hof immer dann auf, wenn der Hahn das Morgengrauen erahnte und instinktiv zu krähen begann. Im Juni also meistens um 5 morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen über die sanften Hügel im Osten klettern. Aber auch daran gewöhnt man sich fast so schnell, wie an die Sirenen in der Nacht im Hamburger Schanzenviertel und wir haben Sonnenaufgänge genossen, wie wir es aus der Stadt nicht kannten und begannen die friedlichen Stunden bevor die Welt erwacht wirklich zu genießen. So wie sich das Leben insgesamt ein wenig verlagert. Man steht früher auf und geht abends zeitiger ins Bett. Ein Leben nach den Tageszeiten, so wie die Bauern um uns herum, die wir teilweise auch schon im Morgengrauen auf ihren Feldern sahen, um den Jungkühen in diesem heißen Sommer frisches Wasser zu bringen. Und wir kamen natürlich in den Genuss jederzeit frischer Frühstückseier unserer neuen Federfreunde und vieler kleiner lustiger Momente. Zum Beispiel als wir unsere frechen Schützlinge einmal mittags scheinbar auf der Suche nach etwas Essbarem in unserer Küche erwischten… Aber als der Winter vor der Tür stand, machten wir uns zunehmend Gedanken, was wir mit unseren neuen Hühnern machen. Zum einen schien der schon sehr in die Jahre gekommene Stall nicht wirklich für eisige Temperaturen gemacht und das freie herumspazieren im Garten wurde bei den zunehmend dunklen und manchmal auch nebligen Tagen zu einer Gefahr für die Tiere. Was tun? Einen neuen Stall und ein schützendes Gehege noch im November zu bauen war keine Option also funktionierte Lisa in einer Nacht und Nebel Aktion und mit Hilfe ihres Vaters unsere Werkstatt zum Hühnerstall mit kleinem Aussengehege um. Alte Bodenplatten, Sonnenschirmständer, Staketenzaun-Stücke, Netze, Drähte, Schnüre wurden verwendet, um ein provisorisches, aber sicheres und den Schneemassen trotzendes Hühner-Refugium zu errichten. Was ein Glück für die Tiere und uns! Wir kamen gut durch den Winter - zwar mit weniger Eiern, aber bis auf kleine Wehwehchen gesund und munter. Im März kam dann kurz der Nachbar mit dem Bagger vorbei und hat uns netterweise eine kleine Fläche für den neuen Stall geebnet und kurze Zeit später begannen die Bauarbeiten mit tatkräftiger Unterstütztung von Hühnerstallbau Blogs, Zimmermännern und Dachdeckern. Manch einer sagt sogar, dass das Hühnerhaus besser gedämmt ist als unser Wohnhaus - innen gestrichen mit Kalkfarbe als natürlicher Schutz gegen Schimmel und Schädlinge. Vielleicht also ein Zweitwohnsitz für schlechte Zeiten… Es war auf jeden Fall eine Heidenarbeit den Stall zu bauen und auch ein Fuchs-sicheres Gehege drumrum, sodass wir die Hühner fortan auch mal alleine lassen konnten - dachten wir. Den ganzen Sommer funktionierte alles perfekt, die Hühner gewöhnten sich schnell an ihr neues Haus mit Dreifachverglasung und automatischer Haustür und wir machten uns weniger Sorgen, wenn wir abends mal später nach Hause kamen. Doch bei der ersten Unachtsamkeit wurden wir bestraft. Christian hatte vor dem Winter noch schnell ein paar Dinge ausgebessert und dann leider seinen Akku-Schrauber am Stall liegen lassen, dass die Hühner in der Abenddämmerung nicht ihren schützendes Haus kamen. Trotz einem 1,70m hohen Zaun und allerlei Absicherungen, waren am nächsten Morgen nur noch zwei von fünf da. Die beiden vermeintlich ältesten Hennen waren aus dem zur Falle gewordenen Gehege geflogen und hatten sich am Hof versteckt. Der Räuber war vermeintlich ein Fuchs - ein sehr beharrlicher und schlauer muss es gewesen sein. Wir waren natürlich geschockt und traurig, mussten dann aber auch einsehen, dass die Natur ihren Lauf nimmt und ein Fuchs auch Hunger hat… Unsere neuen Schützlinge sind jetzt noch besser behütet (Lisa nennt das Hühnerparadies liebevoll Guantanamo) und versuchen so wachsam wie möglich zu sein, auf dass sie so lange wie möglich bei uns bleiben. PS: Update - Zukie und Wilma, unsere Urgestein-Hennen haben drei neue Freundinnen und einen hübschen, wenn auch zierlichen Hahn im Korb an ihre Seite bekommen.

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